Und noch einer: Blowin´Smoke.

June 21st, 2008 - Kein Kommentar

Nur so für zwischendurch nochmal ein zur Abwechslung ausnahmsweise nicht von mir stammender Rauchertext - dazu auch noch einer über Zigarrenraucher, wobei neben Antirauchern leider auch die Zigarettenraucher nicht allzugut wegkommen, aber egal. Ich fand ihn einfach so lustig, pointiert & im Tonfall so anders als das, was man von hier gewohnt ist - dass ich quasi kaum anders konnte. Es handelt sich dabei um eine in dieser Hemisphäre nicht zugängliche Kolumne von Kinky Friedman, die ich dazu auch noch übersetzt hab. Also im doppelten Sinne exclusiv nur hier & jetzt & für meine siebenunddreissig Besucher… viel Spass!

Blowin´Smoke

Als mein Verleger anfragte, ob ich nicht mal irgendwas über Zigarren schreiben könnte, hielt ich das für eine bemerkenswert krankgeleitete Idee. Es gibt nicht viele Leute auf der Welt, die Zigarren mögen, und noch weniger, die sie rauchen. Die meisten würden sie nicht mal mit einer Bootsstange anfassen (ganz zu schweigen von der Tatsache, dass manche Zigarren heutzutage die Größe einer Bootsstange haben). Die überwältigende Mehrheit der Frauen hassen Zigarren sogar mehr noch als Kakerlaken. Und selbstverständlich sind Kinder die schlimmsten von allen, wenn sie im Supermarkt bereits beim Anblick einer selbst unangezündeten Zigarre mit ihren kostbaren kleinen Händchen vor ihren kostbaren kleinen Näschen herumwedeln. Und sowas irritiert selbst den Kinkster immer wieder (*1). Manchmal verspüre ich den Wunsch, sie mit einer Bootsstange in ihre kleinen Rippen zu pieksen.

Und genau das war es schliesslich, weshalb ich mich entschied, doch über dieses Thema zu schreiben. Ich sehe es als eine erzieherische Maßnahme gegenüber all den hochtrabenden, politisch korrekten, humorlosen & verstopften spirituellen Dampfwalzen in unserer pathologisch gesundheitsorientierten zivilen Gesellschaft, die Zigarrenraucher mittlerweile beinah wie biblische Leprakranke behandelt. Und in der Tat sind Zigarrenraucher eine der meistgeschmähtesten und diskreditiertesten Minderheiten im Land. Glücklicherweise sind die meisten von uns gutgebaute, unwirsche, großmäulige & wohlhabende Kerle, die jede Art von Missbrauch seitens kostbarer kleiner Kinder in Supermärkten bestens zu handhaben wissen.

Und obwohl die Meinung in der wissenschaftlichen Gemeinde nicht sehr verbreitet ist, war ich immer der Ansicht, dass Zigarren einem guttun. Wenn´s hart auf hart kommt, stehen Nichtraucher oft passiv an der Seite, während sie passiven Rauch in ihre passiven Leben inhalieren. Und Zigarettenraucher springen unter solchen Umständen in der Regel panikartig aus den Fenstern ihrer Parterre-Wohnungen. Wie auch immer, jedenfalls scheinen Zigarrenraucher oft, sobald es brenzlig wird, eine Art kosmische Symphonie zu dirigieren, die nur sie selber hören können. Ihre Haltung ist vielleicht am besten beschreibbar mit „Lass die Lava rollen“. Und ich füge hinzu, dass dieser Bewusstseinszustand den Blutdruck senkt, Stress mindert, gar nicht zu reden davon, dass es immer ein Vergnügen ist, andere zu irritieren. Letzteres, so fahre ich fort, ist eines der wahren Geheimnisse um die berüchtigten Langlebigkeit von Zigarrenrauchern.

Thomas Edison zum Beispiel, der Berichten zufolge 18 Zigarren täglich rauchte, wurde 84 Jahre alt, und zwar hauptsächlich indem er Leuten seinen Zigarrenqualm ins Gesicht blies, die sich über seine Erfindungen lustig machten. Mark Twain, der bis zu 40 Zigarren täglich paffte, sagte: „Falls das Rauchen im Himmel nicht gestattet sein sollte, geh ich nicht.“ Er war 74, als er anfing, himmlische Zigarren zu rauchen und Heiligenscheine statt Rauchringe in den Raum zu blasen. Und dann gab´s da Winston Churchill, der während der Kriegsjahre fast immer eine Zigarre in der Schnauze hatte. Und der sogar eine spezielle Sauerstoffmaske beantragte, um nur ja auch bei Überhöhenflügen noch rauchen zu können. Er lebte, bis er 90 war.

Sigmund Freud, der erste Mann, der realisierte, dass Zigarrenrauchen eine hochsuggestive orale Fixierung bedeutete, war nichtsdestotrotz selber selten ohne Zigarre anzutreffen und lebte, bis er 83 Jahre alt war. Vor 3 Jahren wurde ich infolge einer eher unerfreulichen Verkettung von Umständen ziemlich unfeierlich aus dem Freud-Museum in Wien, Österreich, hinausbefördert. Die Empfangsdame, die aussah und sich auch so benahm wie ein Spürhund mit Ohrringen, war mit meiner Zigarrenraucherei alles andere als nachsichtig. Und das in einem Museum, welches einem Mann geweiht war, dessen ganzes Leben sich um Zigarren herum entwickelt hatte; selbstverständlich mitsamt all den kranken Dingen, die sie im Unterbewusstsein möglicherweise repräsentieren. Ich machte ihr genau das gerade klar, als sie eine Phalanx von U-Boot-Kommandeuren um sich versammelte, die mich dann gnädigst zum Ausgang geleitete, während ich wiederholt in ausgesucht gereimtem Vers chantete „Sigmund Freud / tät das sehr leid“. (*2)

Ich für meinen Teil rauche nicht weniger als 12 Zigarren täglich mit der Erwartung, ewig zu leben. Selbstverständlich inhaliere ich nicht. Ich blase meinen Rauch nur in Richtung kleiner Kinder, zartblühender Pflanzen und jedem, der gerade zufällig an mir vorbeijoggt. Im Alter von 14 Jahren experimentierte ich mit Swisher Sweets und Rum Crooks (*3), bis ich mich schließlich hocharbeitete zu den großen schwarzen phallischen Symbolen, die ich heute rauche.

Ich glaube, dass der Notstand des Zigarrenrauchers symptomatisch ist für eine ernsthafte Schräglage der Prioritäten in diesem großartigen Land. Nehmen wir z.B. an, 3 Männer spazieren in ein kalifornisches Restaurant. Der erste trägt einen Cowboyhut und raucht eine Zigarre von der Größe einer koscheren Salami, der zweite trägt eine Uzi, und der dritte, der gerade zurückgekommen ist von einem Yogaseminar in Utah, ist nackt und darauf aus, so viele der Gäste wie möglich verrücktzumachen. Völlig klar, dass sich der Chefkellner und das Personal fast auf der Stelle zuerst des Cowboys annähmen und ihn verhaften ließen. Die beiden anderen blieben übrig mit der Frage, was zum Teufel eigentlich passiert ist.
Vielleicht käme die Polizei dann später nochmal zurück, um sich nach ihren Drehbüchern zu erkundigen.

Ich kann nur auf den Tag hoffen, an dem die Rolle der Zigarre in unserer Gesellschaft nicht länger zum Aschenhaufen der Geschichte gehört. Eine Zigarre hat etwas, dass nach einer Person mit einem gewissen spirituellen Gewicht verlangt, eine Maßeinheit dafür, mit sich im Reinen zu sein, ein geschickter Kunstgriff, die Welt auf Distanz zu halten. Zigarrenrauchen ist mehr als eine Angewohnheit, mehr als eine freudianische Zungenbewegung um nur ein weiteres Tabakprodukt herum. Zigarrenrauchen ist eine säkulare Religion, eine Lebensweise für diejenigen Männer (und Frauen), die keine Angst haben, zu leben.

Eine solche Person war auch Ernie Kovacs, ein Zigarrenraucher vor dem Herrn sowie sehr beliebter Pionier ikonoklastischer Comedy im Nachtprogramm. David Lettermann und viele andere bedienen sich noch immer bei Kovacs Material, seiner Philosophie und seinem Stil. Wir werden nie wissen, wieviel er sonst noch beigetragen hätte zu einer dringend eines gesunden Lachens bedürfenden Kultur, weil sein Leben 1962 im Alter von 42 leider zu früh endete, als er sein Auto zu Schrott fuhr. Der Legende zufolge fand die Polizei Kovac über das Steuer hängend, die unvermeidliche Zigarre in der einen und ein unangezündetes Streichholz in der anderen Hand. Es gab die weitverbreitete Vermutung, dass sein Versuch, sich die Zigarre anzuzünden, möglicherweise den Unfall verursacht hätte. Jedenfalls denke ich, wie auch immer, dass folgendes passiert ist: nach dem Unfall und im Bewusstsein, nur noch wenige Momente zum Leben zu haben, bestand seine letzte Handlung auf Erden in dem Versuch, sich seine Zigarre anzuzünden.

Anmerkungen:

1 Kinky Friedman bezeichnet sich selbst manchmal als „der Kinkster“
2 original bzw. besser: „Sigmund Freud would be annoyed“
3 beides Zigarillo-Sorten

Tip…

March 29th, 2008 - Kein Kommentar

Bitte unbedingt vormerken (schrob darüber an andrerer Stelle schon mal kurz): „BRENNENDES HERZ“ (Regie: Manfred Stelzer), Mi. 2.4. (!!!!), 20:15, ARD. Vor allem Alexander Scheer ist atemberaubend in diesem Film. Er geht über Neonazis & wurde bisher - obwohl er mittlerweile etwa 2 Jahre alt ist - noch nicht ausgestrahlt: vielleicht zuviel Konfliktpotential. Nachdem die Zuschauerreaktionen bei dem ein oder anderen Festival eindeutig mehr als positiv waren, traut sich nun auch die ARD dran (die in der ersten Reihe).

Ein bisschen Kuckucksnest.

March 17th, 2008 - 1 Kommentar

Nur doch eben mal kurz noch zu dem äh… Raucherlied: sicher gibt´s Wichtigeres. Ich geh auch gern nach draussen, wenn´s andere stört. Mir doch wurscht.

Wenn ich aber nach draussen soll, obwohl´s offensichtlich niemanden stört, nehm ich´s durchaus als Zeichen eines - sagen wir - intakten Demokratieverständnisses, wenn in meinem Kirchturm da oben ein paar Alarmglocken bimmeln (leise, leise im äh… Wind).

Man kriegt jedenfalls zunehmend eine Art Versteckte-Kamera-Gefühl. Oder als würde jemand versuchen, die Leute absichtlich an offensichtlich absurde Handlungen zu gewöhnen. Wieso gibt´s hier kein Rauchertaxi? Der Fahrer rauchte, das Taxi gehörte ihm, es stünde mit einem grossen Schild „Rauchertaxi“ dran, & deshalb stiegen ja auch nur Leute ein, die eben rauchen wollten. Es würde keinen Nichtraucher auch nur im geringsten stören oder belästigen. Ausser er würde spätnachts in einem dunklen Wald von einem Irren verfolgt, aber in letzter Sekunde käme auf der anliegenden einsamen Landstrasse zufällig ein Rauchertaxi vorbei. Da hätte er dann die Wahl: sich entweder von dem Irren verhackbeilen zu lassen oder aber durch Inanspruchnahme des Rauchertaxis via Passivrauchen 500 Jahre später (statistisch gesehen) vielleicht an Lungenkrebs qualvoll zu sterben. Trotzdem: Nix da. Was soll der Scheiss? Sind wir hier im Kindergarten?

„Vielleicht“, scheinen einige zu signalisieren: dass sie es nämlich trotz allem irgendwie doch gut fänden, wenn der Staat sie zu ihrem eigenen Besten reglementiert & bevormundet. Mal ganz sanft gesprochen: wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr.

Sicher hat´s zu tun mit diesem zunehmenden Gesundheits- & Sicherheitsfundamentalismus, dessen Weltbild man ganz platt zusammenfassen könnte mit: wer am längsten lebt, hat gewonnen. Auch wird die Welt ja immer unübersichtlicher, die Konturen verschwimmen, alles schreit nach Profil, aber genau das ist eben immer schwieriger zu haben.

Und was würde etwa ein Politiker tun, der sämtliche sonstigen Segel gestrichen hätte, um sowas wie Profil zumindest halbwegs zu simulieren? Er suchte sich erstens einen möglichst grossen positiven gemeinsamen Nenner (Gesundheit, immer eine sichere Bank), zweitens entsprechende Feindbilder.

Also erstmal die Raucher. Es könnte natürlich ebenso gut gegen Gummibärchenfresser gehen, denn das ist ja auch nicht gesund: gar nicht auszudenken, um wieviel tausende von Prozenten das Gummibärchenfressen sämtliche Organe wissenschaftlich nachweisbar mehr schädigt als das Nicht-Gummibärchenfressen (die Gottschalk-Fans werden schon noch sehen!). Und als nächste sind dann die Dicken dran. Oder Hartzvierbezieher, die nicht mindestens eine Stunde täglich freiwillig nordic-walken, um sich für eventuelle Jobs fitzuhalten, wenn die Gemeinschaft sie denn schon durchfüttert.

Überhaupt sind Raucher zunehmend Unterschicht, Prekariat. Was man mal ehrfurchtsvoll Arbeiterklasse nannte, ist im Bewusstsein derselben Leute innerhalb von ein paar Jahren zu einer Art Angstbild mutiert, das man nicht mal mehr mit der Kneifzange anfassen würde.
Also schlagen wir doch einfach gleich zwei Fliegen mit einer Klappe & verbieten ihnen erstmal die Feierabendzigarette in ihrer Eckkneipe. Könnte ja sein, dass da mal ein Nichtraucher vorbeikommt, haha.

Und für den Rest geht´s - haha - gegen Selbstbestimmtheit von allem, was irgendwie mit einem eigenen Geschmack von Spass oder Hedonismus zu tun haben könnte: sicher hat sowas immer einen Preis, aber die Entscheidung darüber, wieviel man sich davon zumuten will oder auch nicht, möchten sie einem auf gar keinen Fall mehr selber überlassen: nein, wir verbieten euch das, das ist besser für euch. Und wer auch immer sich dagegenstellt, ist ein Schädling der Gemeinschaft, basta. Die Oberkrankenschwester aus dem Kuckucksnest hat gesprochen.

Klar macht Rauchen süchtig: aber das tun auch Psychopharmaka, Alkohol, Sex, Fussball, Musik, Computerspiele, Internetsurfen, Handy-Dauerquasseln oder Shareholder-Value. Auch ist all das mit Sicherheit nachweisbar schädlich. Und wo bleiben denn da die Gesetze?

Eine Frage des Masses, oder?

Es gibt einen Aufsatz von Joe Jackson (www.joejackson.com - “Smoke, Lies & The Nanny State”), der vor allem die Schräglage einiger mittlerweile als selbstverstädlich durchgehender Argumentationsfiguren sowie die wissenschaftliche Unredlichkeit von Studien zeigt, die im allgemeinen herangezogen werden, um die Schädlichkeit beispielsweise des Passivrauchens zu behaupten: Tatsache ist, dass es offensichtlich bisher keine einzige seriöse Studie gibt, die schlüssig nachweisen würde, dass Passivrauchen deutlich schädlicher wäre als etwa Motorradfahren oder auch nur der ganz normale Grossstadtsmog. Und immerhin dreht sich´s hier für meine Begriffe um DAS zentrale Argument der Anti-Raucher-Bewegung: es fällt schlicht weg.

Ähnlich die angebliche „Studie“ des Deutschen Krebsforschungszentrums von 2005, der zufolge etwa 3000 Menschen im Jahr an den Folgen des Passivrauchens sterben: sie ist erstens nur eine Metastudie, beruht zweitens in den wesentlichen Punkten auf reinen Mutmassungen & treibt drittens das übliche Schindluder mit Statistiken (einleuchtendstes Beispiel: füllt jemand etwa 50 Lottoscheine aus statt einem, sind seine Chancen auf den Hauptgewinn zwar statistisch gesehen um beeindruckende 5000 Prozent gestiegen, in Wirklichkeit aber noch immer etwa gleich Null. - Analog dazu gilt etwa folgende Schätzung als ungefähr zutreffend: 160 von 100.000 Rauchern - im Gegensatz zu 7 von 100.000 Nichtrauchern - bekommen irgendwann in ihrem Leben Lungenkrebs. Also ist das Risiko bei Rauchern 24 Mal höher, oder beängstigender ausgedrückt: 2400 Prozent! - Obwohl man´s statistisch auch so ausdrücken könnte, dass der Durchschnittsraucher immer noch eine 99,8 -prozentige Chance hätte, sich eben keinen Lungenkrebs zu einzufangen). Viertens jedoch - & das ist der eigentliche Clou - waren 1 Drittel dieser angeblichen 3000 Passivrauch-Toten über 85 Jahre alt. Kein Scherz.

Und nachdem also diese durch nichts bewiesene Behauptung dann aggressiv & nichtsdestotrotz als wissenschaftlich seriöse Meldung durch sämtliche Medien trompetet wurde, wird sie einem seitdem nicht nur gebetsmühlenartig von allen Seiten immer wieder um die Ohren gehauen, sondern dient - was dämlicher ist - auch als Grundlage für entsprechende Gesetzgebungen (siehe z.B. ZEIT online, 17.12.05: „Raucher töten“).

Oder nehmen wir Behauptungen wie: “Raucher belasten die Krankenkassen. Und wir alle zahlen für diese egoistischen Parasiten dabei drauf.” - Also wenn Raucher tatsächlich auch nur halb so oft an Krebs erkrankten bzw. entsprechend früher sterben würden, wie die Antiraucher behaupten - & durch entsprechend teure Therapien eben “uns allen auf der Tasche” lägen - dann sähe die entsprechende Gegenrechnung in der Tat so aus, dass sie “uns” aber dafür ein Vielfaches an Rentenausgaben “ersparen” würden. Denn was wäre schon ein halbes Jahr Chemotherapie gegen 20 Jahre Rente kassieren? - Wir denken hier nur eine Argumentation der Antiraucher folgerichtig & ihrer eigenen Logik nach zuende: es spräche gegen sie.

Was aber weit mehr noch gegen sie spricht, ist überhaupt dieses Aufmachen einer Kosten-Nutzen Rechnung: denn es geht ja hier immerhin um Menschen & nicht um Gebrauchsgegenstände. Und jeder, auf den solche Rechnungen angewandt werden, hat von vornherein verloren.

Womit wir wieder bei meinem Liedchen wären: denn es führt - zumindest teilweise (Scheisse, ich werd ja hier immer ernster… und warum muss ich mich eigentlich andauernd erklären? Offensichtlich bin ich ein Zwangsneu-… äh… zwnagsneu-zwangsneu-zwangsneu… ) - genau diesen Effekt vor. Nur halt in diesem Fall auf Nichtraucher angewandt anstatt - wie zunehmend selbstverständlicher - auf Raucher. Was dann so absurd wird, dass es gar nicht anders kann, als eben vollkommen in Satire umzukippen. Es hätte ebensogut gegen Nicht-Gummibärchenfresser gehen können, was ja vielleicht sogar noch komischer geworden wäre. Die Methode: wir suchen uns irgendein x-beliebiges Feindbild & stampfen es mithilfe einer logisch-statistischen Kosten/Nutzen-Rechnung - und zwar wie´s uns gerade passt bzw. der Schnabel gewachsen ist - einfach mal ungespitzt in den Boden: ein Spass für die ganze Familie quasi, sehr lehrreich & lustig. Nur wenn diese allzuoffensichtliche Methode zufällig auf Raucher angewandt wird, lacht kaum noch jemand. Wieso eigentlich nicht?

Der Rest: gerne geschenkt, liebe Nichtraucher & Gummibärchenverweigerer. Und so wichtig - wie gesagt - ist das Thema ja nun auch wieder nicht. Wollte halt nur kurz mal eben äh… naja, vielleicht auch egal. Nicht egal dagegen scheint mir allerdings die Mentalität dahinter: Haben diese Leute nichts anderes zu tun?

Musikerleben, ab & zu.

December 18th, 2007 - Kein Kommentar

29.11.07

Gestern abend letzter Duo-Gig mit Thomas in Zwickau („Allein & Beisammen“ - gleichnamiges Stück von ca. 92´ übrigens anbei, plus „Harte Zeiten“ von ca. 98/84´), dann heute morgen nochmal kurz ein Abstecher nach Chemnitz, wo Bob Dylan seine erste weltweite Ausstellung als Maler hat, soweit ich weiss. Na schön, Chemnitz.
Was wollte ich sagen? - Naja, also ne ziemliche Fahrerei, ein paar zauberhafte Momente, Besucherzahlen nicht gerade berauschend, aber draufgezahlt hat auch niemand gross. Und „jederzeit gerne wieder“. Es fällt mir auch nicht schwer, ziemlich nett zu sein. Ab & zu höre ich dann ne Frage wie: „Kann man davon eigentlich leben?“ (Übrigens proportional abhängig von der Zuschauerzahl: von 20 bis 40 fällt sie so gut wie immer, von 40 bis 80 manchmal, darüber so gut wie nie) - wonach ich mich fast immer beeile zu erklären, daß ich ja eigentlich z.B. von Filmmusik lebe, und dann lass ich noch wie zufällig ein paar Namen fallen, eigentlich ne Scheiss-Tour, aber danach ist regelmässig wenigstens Ruhe im Karton. Manchmal schau ich den Kandidaten auch einfach an & sag betont beiläufig: „Na, sicher.“ Was natürlich dann nicht so nett ist, aber die Frage ist es ja im Grunde auch nicht. Dieses Spielchen wiederholt sich alle paar Abende, und dann gibt´s möglicherweise noch ein Hotelzimmer mit Blick auf die lausigste Spielothek im deprimiernendsten Viertel, das die jeweilige Stadt zu bieten hat (& ganz sicher dann auch mit Rauchverbot, was man allerdings bedenkenlos irgnorieren kann, da im ganzen Hotel eh sonst niemand ist), & wenn man dann noch vergessen hat, sich wenigstens was Nettes zu trinken mitzunehmen, dann kann´s schon mal vorkommen, dass man sein Spiegelbild in dem extrem nach billigen Desinfektionsmitteln stinkenden & an anonymer Hässlichkeit kaum zu überbietendem Duschklo fragt: “Ja, was machst Du hier eigentlich?“ -

Was selbstverständlich noch lange nicht die unterste Sohle ist: Vor ein paar Jahren zum Beispiel spielten wir (in diesem Fall: die alte Band) für 2 Tage in einem Darmstädter Etablissement, wo wir zunächst - völlig auf uns selbst gestellt - eine ganze PA aufbauten & soundcheckten. Schliesslich liess sich ein langlockiger bzw. belederhoster Jim Morrison-Verschnitt dazu herab, uns unsere Schlafgelegenheit zu zeigen. Wir kletterten mit unserem Gepäck ein paar seltsame Treppen rauf & landeten schliesslich in einem etwa 3×3 qm grossen Zimmer mit nichts als 4 Pritschen drin. Es war ausserdem Winter, ziemlich kalt, & an der Wand hing ein Blechautomat, in den man Münzen werfen konnte: 5 Mark für je 12 Stunden Beheizung. Dann führte er uns über einen Flur, um uns die dazugehörige Dusche zu zeigen. Wir kriegten mit, daß die Etage eine Art städtisch subventioniertes Übergangswohnheim für Asylanten war; und im Gegensatz zu Lederhosen-Jim waren die ziemlich nett. Dann kamen wir ins Bad: von 2 oder 3 Restösen herab hing ein verranzter Duschvorhang, die Kacheln & das Becken waren von einer - auch farblich changierenden - unregelmässigen Schicht fettähnlicher Konsistenz überzogen, & auch der Rest liess eindeutig befürchten, sich bereits durch den blossen Anblick mit irgendeiner scheusslich juckenden Krankheit zu infizieren. Das ganze dann vorgestellt mit den Worten: “Und bitte die Dusche so verlassen, wie ihr sie vorgefunden habt.“ Ich starrte auf die schiefe Duschstange & entdeckte eine halbverhungerte Spinne bei der Halterung.

Andererseits - nur gerechtigkeitshalber - gibt´s natürlich auch sehr nette Veranstalter, gute Hotels & überhaupt Herzenswärme allenthalben. Bis hin zu Dollarmilliardären, die einen z.B. auf die Bahamas einladen. Treppe rauf, Treppe runter, und alles dazwischen.

05.12.

Gestern traf ich zufällig seit langem mal wieder Hans Wallbaum, mit dem zusammen ich nicht zuletzt ein paar Jahre in Diensten von Stoppok verbrachte. Er ist ein Urgestein von einem Schlagzeuger, hat seinen eigenen Stil & Geschmack, & seine Physiognomie erinnert mich immer - wenn auch sehr entfernt - an die von Joseph Conrad, und nicht zuletzt umgibt auch ihn irgendwie das Flair eines gentlemanhaften Ex-Kapitäns. Was aber vielleicht auch gar nicht so weit hergeholt ist, denn die Rolle eines geschmacksintegren Musikers auf so lange Zeit durchzuhalten ähnelt in der Tat dem Risiko zumindest eines Matrosens beim Befahren der 7 Weltmeere. In seinem Fall unter der Flagge des Rock´n Roll (da war ich mal Smutje), wobei Desertation nur um den Preis des Gesichtsverlustes zu haben ist. Zwei der Ausdrücke, durch die ich sofort sein Bild vor Augen hab, lauten „nicht ehrenrührig“ bzw. „verschworener Haufen“. Aber egal jetzt, wir haben andere Zeiten. Und ich trauere einigen früheren eigentlich auch nicht sonderlich hinterher.

Na gut, wir trinken also einen Kaffee am Hermannplatz (da trifft man komischerweise immer Leute zufällig seit langem mal wieder) & er spielt zur Zeit auch mit dem britischen Sänger X, der wiederum mit einem meiner Helden - nämlich Van Morrison - gemeinsame Auftritte hatte. Ich frag ihn natürlich nach entsprechendem Seemannsgarn, & er erzählt z.B. folgendes: Also die Band spielt, & Van-The-Man steht völlig regungslos da auf der Bühne in seiner typischen bewegungslosen Pose (so als warte er auf Inspiration, oder was immer das auch bedeutet), & es dauert & dauert, & schliesslich hält X es nicht länger aus, geht ans Mikrophon & singt den Song selber. Van lässt sich zunächst nichts anmerken, aber nach dem Gig klopft´s an X-ens Garderobe, & herein kommt - wer auch sonst - Van. Woraufhin folgender Dialog stattfindet: (Van) „Du weisst, wer van Morrison ist?“ - (X) „Ja.“ - (Van) „ Und Du weisst auch, dass Van Morrisson diesen Song hätte singen sollen, den Du Dir einfach herausgenommen hast, ihm wegzunehmen?“ - (X).: Ja, Sir.“ - (Van, nach einer langen Pause) „Also mach das nie wieder.“ - Herrlich, wenn auf die alten Haudegen noch immer Verlass ist.

13.12.

Momentan in einem bayrischen Dorf im Haus eines befreundeten Musikers. Gestern mittag kam ich runter in die Küche & sah draussen die ersten Schneefelder dieses Jahres. Ich war allein & es roch nach Holzfeuer. Auf dem Küchentisch liegt „Die Zeit“, & das Foto von Ahmadinedschad auf der Titelseite erinnert mich vage an Jürgen Prochnow. Ich beschliesse, zunächst nichts davon zu lesen & mach mir erstmal einen Kaffee. Ein paar Stunden später hab ich immer noch nichts davon gelesen.

Wir nehmen hier gerade - zwischen 2 Gigs - ein paar Songs auf: kein technischer Schnickschnack, einfach in der Runde sitzen & spielen, ein paar Mikros, 2 Amps & ein Laptop & das war´s. Nichtmal Kopfhörer. So lautete der Plan: das Wesentliche zuerst. Und vor allem mit einem Gefühl dafür, in welchem natürlichen Raum das alles überfhaupt stattfindet. Wolf wird´s dann zunächst in sein eigenes Studio mitnehmen & Schlagzeug drauf spielen (darin ist er eh Weltmeister), später krieg ich´s dann wieder & wir werden sehen. Jedenfalls klingt´s sehr vielversprechend. Ein Song zum Beispiel, den ich mit der Küche schon des öfteren vergeblich probiert hatte (danach ist so ein Song dann quasi traumatisiert, oder vielleicht auch wirklich Scheisse), klang plötzlich auf Anhieb genau richtig. Bestätigt mich vor allem in meiner schon seit einiger Zeit gehegten Annahme: Entweder ist etwas direkt gut, oder vergiss es.
Was in Berlin mit der Küche nicht ganz so der Fall war, denn dort unten in einem kleinen Kellerstudio sassen wir zwar auch in einer engen Runde, aber es gab z.B. Kopfhörer & mein Gesang zählte nicht, da es zuviele „Übersprechungen“ gab (d.h. was vom Schlagzeug mit auf´s Gesangsmikro kam, war zu laut, um damit hinterher arbeiten zu können). Aber auch hier kriegte ich eigentlich, was ich wollte: grösstmögliche Direktheit & räumlichen Kontakt der Musiker wie auf einer BÜhne oder in einem Wohnzimmer. Also quasi entweder direkte Magie oder eben Maggie. Um die 20 Songs sind jedenfalls auf diese Weise jetzt aufgenommen & harren quasi weiterer Arbeit. -

16.12.

So, wieder in Berlin bzw. erstmal wieder ein bißchen mehr Geld verdienen (s.o.), wird mir aber auch nicht sonderlich schwerfallen, & im Februar/März werd ich das ganze Sammelsurium dann mischen & überhaupt erstmal sortieren: Küche & Südbalkon & welche Anteile. Oder vielleicht auch 2 Platten. Dazu gib´s auch noch einige Songs, die ich alleine einzuspielen vorhabe. Weshalb auch erstmal die Live-Auftritte ein bißchen flachfallen werden. Hab halt keinen Stab von majorlabelfinanzierten Dienstboten um mich herum & das dauert dann halt mal. Was soll´s, es gibt Schlimmeres (zum Beispiel majorlabelfinazierte Dienstboten). Herauskommen soll´s jedenfalls etwa Sept. 08, und bis dahin kann eh noch eine Menge passieren. -

Notizen…

August 17th, 2007 - 1 Kommentar

Ein paar Notizen: die neue Ausgrabung heisst „Verliebt & Blind“, Text stammt von Bernie Conrads (mit ein paar kleinen Erweiterungen meinerseits), demomässig aufgenommen schätzungsweise 99, bisher nirgendwo erschienen. Gefällt mir momentan so gut, daß ich´s beinah für die nächste CD in Betracht ziehe. Soll ich (ich meine, das mal richtig aufnehmen)? Und wo wir gerade dabei sind: auf Bernies demnächst etwa Ende September erscheinender CD („Irgendwo dahinten“ betitelt) hab auch ich ein paar keyboards gschpuilt (bayrisch).

Das beste Chanson, das ich seit langem in deutscher Sprache gehört hab, stammt von Sebastian Krämer & heisst „Kein Liebeslied für dich“ (zu finden auf seinem Album „Schule der Leidenschaft“). Sowas ist mir bisher noch nicht untergekommen, da hatte jemand ne Sternstunde (oder auch ne Menge Arbeit), da stimmt alles, & da können sich z.B. unsere superintelligenten Diskurspopvertreter mal derartig eine Scheibe von abschneiden, daß es wehtut: ich versteh nicht, wieso der dafür nicht mit Preisen u.ä. überhäuft wurde. Aber so undankbar & seltsam ist eben vermouthlich (Prost!) die äh… Welt.

Dann noch was: Vor etwa 10 Jahren fand in der damals von Stoppok gemieteten & zum Studio umgebauten Zeche Bonifatius in Essen eine 10-tägige Begegnung der ziemlich anderen Art statt. 6 Musiker/innen trafen sich aus reiner Begeisterung (u.a. füreinander) zu einem kleinen
Experiment: was würde passieren, wenn´s keinen Chef, keine Songs & auch sonst keine Vorgaben gäbe? Was würde dabei für eine Musik herauskommen? Ausser der Regel, daß Keyboards jeglicher Art verboten waren, konnte jeder machen (oder vorschlagen), was er/sie wollte. Überall standen Gitarren, Verstärker, Trommeln & Mikros herum, wir hatten einen Koch & brauchten uns auch sonst um nichts zu kümmern als ab & zu mal auf den roten Knopf der 24-Spur-Bandmaschine zu drücken. Man konnte ansonsten in den herrlichen Hallen dieser alten Zeche herumhängen, Tischtennis spielen, dummes Zeugs erzählen oder auch sich in eine Ecke verziehen & Texte für Jamsessions schreiben, die man bereits aufgenommen hatte (oder irgendwie noch vorhatte auszuprobieren). Oder auch das ein oder andere Getränk zu sich nehmen, falls mal irgendwas hakte. Es entstand ziemlich schnell eine sehr freie, warmherzige & eigenartig inspirierte Athmosphäre, in der jeder der Beteiligten ganz wie von selbst zu absoluter Hochform aufzulaufen schien. Wunderbare 10 Tage waren das. Übrig blieben schliesslich 10
oder 11 Songs, die tatsächlich teilweise geradezu glücklichmachende Momente oder Passagen dieses schönen Kollektiv-Geistes hörbar machten, welcher daselbst in jenen 10 Tagen in diesen alten Gemäuern irgendwie unaufhörlich herumschwebte. Wir nannten das „Projekt“ im Nachhinein dann „Jumpin Jesus“, was übersetzt wahrscheinlich so etwas ähnliches heissen will wie „Himmel, Arsch & Wolkenbruch“.

Wie auch immer, jedenfalls wurde diese Musik - aus diversen (& mir teilweise auch schleierhaften - s.o.) Gründen - bisher nie irgendwo veröffentlicht. Was (Achtung: Tusch!!!) sich jetzt wiederum geändert hat: Es gibt die ersten 4 Songs davon nämlich jetzt zum freien Downloaden (oder auch nur Hören) unter www.myspace.com/jumpinjesusband. Weitere werden in Abständen folgen (und zwar so lange, bis das Schatzkästchen leer ist & keiner von uns auch nur einen Cent daran verdient äh… gut, was!?).

Neue Leute…

June 16th, 2007 - Kein Kommentar

Wie teilweise vielleicht schon bemerkt, ist die rythm-section der Küche mittlerweile neu besetzt: Max Schwarzlose (dr) kommt sowieso aus meinem Lieblingsumfeld von Berliner Musikern & spielte u.a. ne zeitlang mit Chris Whitley (Iss was?). Thomas Baumgarte (b) hatte ich auch schon länger auf meinem Zettel (wusste er aber nicht) & durch eine Art glücklichen Zufall sagte jemand genau im richtigen Augenblick das Richtige (und zwar ziemlich exakt 2 Wochen vor der letzten Tour, tja… puhhh). Und den ersten wirklichen Test haben wir auf dem OBS #11 in Beverungen auch ziemlich gut bestanden, würde ich jetzt mal so sagen. Ausserdem würde ich darüberhinaus sogar jetzt mal so sagen, daß das ganze irgendwie kreuzverflixt kompakter geworden ist. Ja, ich würde sogar soweit gehen, zu behaupten, daß genau dieses Wort möglicherweise die treffendste Bezeichnung für den jetzt doch schon ziemlich veränderten Sound der Band ist. Schön, das. (Kulle zog´s eh in letzter Zeit mehr in Richtung Theatermusik & Schauspielerei, & vielleicht geht er demnächst für längere Zeit nach Ingolstadt; während die Sache mit Moe ein bißchen komplizierter ist, wenn nicht sogar Glatteis, & deshalb: Klappe halten. Immerhin scheint Hans noch halbwegs bei Laune, was ja durchaus auch keine Lappalie ist nach über 10 Jahren Geheimtippdasein). Hier & da jedenfalls erwisch ich mich jedenfalls dabei, geradezu diebisch froh zu sein ob der neuen Konstellation. Und wir haben gerade erst angefangen… (bzw. hier nicht zu vergessen: einen schönen Gruss an den ebenfalls sonnigen Südbalkon: Köpf & Georg Spindler sind vermutlich momentan in Südfrankreich (Neid!!!), & was der Herr Wolff wohl gerade macht? Jedenfalls: We´ll all have a drink later… also quasi „wir alle werden haben eine Tasse Tee die Tage“).
Ansonsten hab ich gerade ziemliche Zahnschmerzen, aber die nächtlichen Gewitter zur Zeit haben - wie zum Ausgleich - was absolut Herrliches.

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schnell was zum Schreiben

May 19th, 2007 - Kein Kommentar

18.05.07

Da ich hier schon länger nicht mehr kolumnet habe, dachte ich, vielleicht wären (zum Ausgleich) mal wieder zwei weitere Stücke aus der Schublade nicht schlecht.
Das erste - beide übrigens Cassettenüberspielungen (Rauschen) - entstand etwa 92´ auf ner Stoppok-Tour. Brauchte dafür, daran kann ich mich erinnern, nur etwa 10 Minuten, für mich sensationell. So schnell hab ich jedenfalls nicht mal annähernd je wieder irgendwas fertiggebracht. Hatte zwar später nochmal versucht, daran herumzudoktern, aber es ging nicht. Komischerweise kann ich mich auch immer noch dran erinnern, wie das Hotelzimmer aussah, in das ich reinkam & schnell was zu Schreiben brauchte. Ausserdem war´s ein schöner Tag draussen. Jedenfalls hab ich diese Version hier dann etwa 5 Jahre später aufgenommen (eigentlich für „Vom Tisch“… flog dann aber aus irgendwelchen Gründen raus. Vielleicht ein bißchen zu düster. Vielleicht hab ich auch dieser absoluten Momentaufnahme misstraut. Dazu kommt, daß hier keineswegs klar ist, wer das Erzähler-Ich überhaupt ist … & sowieso & ausserdem: können hochkarätige Bluesdepressionen am Ende nicht auch manchmal ganz gesund sein? Sie können die Zeit spiegeln, einen Verlust, oder auch was anderes, das einen nicht eher von der Leine lässt, als bis man dem zumindest ne zeitlang eine gewisse Realität zugestanden hat. Oder Wörter dafür gefunden. Psychologen täten vielleicht sagen: besser “Trauerarbeit” als Schizophrenie. Auch Nick Cave & andere eher dunkel daherkommende Gestalten vertrauen auf nichts anderes als diesen Mechanismus. Soviel ich weiss bzw. soweit die Theorie, klar).
Das zweite war - Anfang 2000 - eine Auftragsarbeit für Gerd Köster im Rahmen einer Kölner Veranstaltung, bei der es um die Ausgleichszahlungen für NS-Zwangsarbeiter ging. Ich hatte exakt 2 Wochen Zeit dafür, & das hier ist das Demo, das ich ihm dann schliesslich schickte: „Zeit in Flammen“. Gerd änderte den Refrain ein bißchen (& es hiess schliesslich „Blitzblanker Hohn“. Und in der Version spielten wir es dann auch noch einmal bei der Verleihung des Demokratiepreises der „Blätter für deutsche und internationale Politik“ an Lothar Evers - näheres nachzulesen am Ende der Kolumne vom Juni 2000).
Mittlerweile sind besagte Ausgleichszahlungen - mehr oder weniger kläglich - auch zu einer Art Abschluss gebracht worden, während altbekannte ExNazis in der Regel hier schon immer & völlig problemlos & mit fetten staatlichen Pensionen einer milden & vergesslichen Abendsonne entgegensehen konnten… letzteres jedenfalls mit ein Grund, warum es hier mal Dinge wie die RAF gab (falls das jemand vergessen hat). Wohin mit dieser berechtigten Wut? Daß die RAF perverserweise auch den Grundton (zumindest mit-) vorgab für einen leider teilweise bis heute latenten (& wortreich als Antizionismus verkleideten) Antisemitismus (oder auch sehr gutmütig ausgedrückt: unverhältnismässig idiotische Begriffsstutzigkeit bei allem, was Israel & Palästina betrifft) der deutschen (Ex-)Linken, gehört dabei selbstverständlich mit in diesen Zusammenhang (danke für die diesbezügliche mail, D.S.). Und Entschuldigung für all diese Klammern hier (aber immerhin hab ich auch das jetzt hinter mir).
Jedenfalls bin ich froh, daß mir früh genug Dylan oder Miles Davis über den Weg liefen. “Bitches Brew” von 69´ beispielsweise: was für ein Feuerwerk! Und etwas später dann Henry Millers Griechenlandbuch oder Dostojewskis “Idiot” (ich will hier auch nicht weiter herumandréhellern, versprochen, sondern nur gerade eben genügend, um die Richtung anzudeuten, in die sich mein Kopf etwa Mitte der Siebziger davonmachte. “Eskapismus” nannte man das damals… gar nicht davon zu reden, in welche noch viel “unpolitischeren” Regionen sich diese Helden der Arbeit dann teilweise - und gar nicht so sehr viel später - selber davonstahlen. Verstärkt für mich jedenfalls eindeutig die Frage, ob das sog. Politische nicht sowieso & per se & selber schon immer eine Art Eskapismus war. Wovor? Vor der halbwegs ehrlichen Auseinandersetzung mit der eigenen Person. Verstehen Sie, Mijnheer?). Das war alles noch vor Punk. Und von da ab war die Sache dann endgültig für mich entschieden. Ein paar andere hatten vielleicht weniger Glück. Und noch ein paar andere… ach, ein andermal, sonst wird die Nacht hier womöglich wieder zu lang. Und ich muss schliesslich auch meine gegenwärtige Filmmusik noch zuendekriegen („Mein Gott, ist der mal wieder mit wichtigen Sachen beschäftigt, dieser Angeberarsch!“). Ausserdem bewundere ich seit einiger Zeit einen deutschen Schauspieler ganz besonders: Alexander Scheer (das ist gerade „mein“ zweiter Film mit ihm, & ich hoffe, sie werden den ersten demnächst mal endlich in der Glotze zeigen: er heisst „Brennendes Herz“, geht über Neonazis & Scheer ist schlicht grossartig). Der soll jedenfalls bittebitte so weiter machen, dem sollen alle seine Sterne aufgehen.
Denn z.B. Harald Schmidt (Katholik) sinkt demnächst Richtung Oliver Pocher (Zeuge Jehovas, ex). Sie kennen sich aus der Werbung für Mediamarkt. Und in diesem Fall bin ich (dagegen dann) selbstverständlich nur ein ziemlich kalter Beobachter. Wenn so jedenfalls die weltlichen Aktivitäten eines in diesem gerade neu angebrochenen global-multimedial-digitalen (usw.) Zeitalter sich ebenfalls neu orientieren müssenden Christentums aussehen, dann äh…. ja, gute Nacht, Trompeter: Ein neues Jerusalem wird das jedenfalls nicht. - So, ab ins Bett.

good luck!

December 31st, 2006 - 2 Kommentare

Taube jpeg klein.jpg

So, wie diesem Beatle hier,
der - ohne die andern vier -
rübermacht trotz Staugefahr,

wünscht auch Euch per Schüttelreim
Glück (im Küchen-Kittel) beim
Übergang ins neue Jahr:

Danny

(Foto: Christof Stählin,
der ausserdem ein viel
hübscheres Sylvesterlied
dazu schrob als dies hier,
aber egal.)

Saubillich, die zweite.

December 30th, 2006 - 3 Kommentare

Die stupide Logik, nach der schliesslich wahr wird, was man nur oft genug wiederholt; die Tendenz, daß Zumutungen wie besagter Saubillich-Spot zunehmend widerspruchslos als cool empfunden werden; ja, - im Gegenteil - jede Art des Unbehagens bereits als deutliches Zeichen von Nörgelei oder Gestrigkeit gelesen wird; die anmassende Selbstverständlichkeit, mit der einem solche zwangsamputierten Plumpheiten & Auswüchse mentaler Fettarschigkeit im Grenzfall als „augenzwinkernd“ verkauft werden sollen (bis hin zum Gesichtskrampf). Die atemberaubend inflationäre geistige New Economy der Werbegötter mit ihren astronomischen Etats, deren konturloses Wischiwaschi einem durch sämtliche Kanäle & an jeder Ecke pausenlos entgegentorkelt, genauso bekokst wie dessen besinnungslosen Erzeuger selbst (Frédéric Beigbeder): ein dumpfes, überbezahltes, parasitäres & nichtsnutziges Pack (nichtsdestotrotz umgeben vom Nimbus des Traumjobs bzw. respektabler Hipness), das man gar nicht genug beleidigen… äh, soll ich noch weitermachen?

Na schön: akkustische & optische Umweltverschmutzer allerhöchsten Grades; & nee, schon lange nicht mehr nur Werbefuzzis, die´s halt nicht anders können, sondern mutierte kleine menschliche Monstren, die mittlerweile weitgehend den Ton bestimmen bzw. eine neue biologische Spezies ankündigen, die sich zunächst durch eine merkwürdige neuronale Veränderung in der Gehirnstruktur auszeichnet, bei der vor allem die Synapsen zum sog. Peinlichkeitsbewertungszentrum komplett gekappt zu sein scheinen: den homo ballaballa… so, reicht´s jetzt? Gut, ich hör ja auf… wollte nur „augenzwinkernd“ (also quasi: „““ „““ „““ „““ „) noch mal kurz verdeutlichen, auf wen bzw. welche Mentalität meine letzte lustige kleine Tirade zielte. Nee, nicht witzig? Und auch nicht die Frage?

Ok, dann eben FaktenFaktenFakten (soweit mir bekannt): ausgehandelt wurde das ganze zwischen Mediamarkt, der Werbeagentur Kempertrautmann & der Sony, die mittlerweile die alleinigen Verlagsrechte besitzt. Das liegt aber nicht an den Brüdern Möbius, sondern an Rio Reisers Verträgen mit George Glück, der seine Rechte irgendwann nach dessen Tod an die Sony verscherbelt hatte. Zwar hätte eine Klage seitens der Erben vielleicht Aussichten auf Erfolg gehabt, doch beinhaltete das Risiko eines Mißerfolges (finanzielle Giganten, mit denen man sich da anlegt, für die solche Lappalien wie Gerichtskosten oder die allerbesten Anwälte nur ein Schulterzucken bzw. ein Posten unter ´geringfügige Abschreibungen´ bedeutet) ein derartig existentielles Desaster für das eh schon in dieser Hinsicht nicht besonders betuchte Rioarchiv (vorsichtig formuliert), daß man sich dort - schätze ich - am Ende entschloss, den Spiess einfach umzudrehen. Und wenn schon, dann wenigstens so viel Schmerzensgeld (nichts anderes ist es am Ende) dabei herauszuholen wie irgend möglich (hoffe ich), was vermutlich hiess (fürchte ich): bis zu einem gewissen Grad zähneknirschend zu kooperieren. Und ausserdem hoffe ich, daß ihnen dabei ihre Zähne nicht so ausgefallen sind wie dem Song ´König von Deutschland´. Es wäre schade angesichts all der sonstigen schönen Arbeit, die sie - mit geradezu engelshafter Geduld & unterbezahlter Ausdauer - bisher getan haben. Und was für ein überheblicher Spinner wäre ich, sie dafür bzw. für mangelnde Risiko- oder Opferbereitschaft zu schmähen (jau!). Die sie allerdings (d.h. die Opferbereitschaft) erstmal auch von niemandem sonst mehr einfordern sollten. Ich hoffe also, sie kriegen Geld dafür, viel Geld, so daß das Rioarchiv seine Aktivitäten - und zwar besser bezahlt - fortsetzen kann. Und ausserdem in Zukunft möglichst ohne solche überspannt seltsamen & eierigen Kommentare wie der ´Hunz & Kunst´ -Beitrag von Peter Möbius auf der Rio Reiser-Homepage, aber davon will ich jetzt nicht auch noch anfangen. Was ich jedoch auf gar keinen Fall demnächst irgendwo hören will:
„Halt Dich / an diesen Preisen fest!“

Harald Schmidt (demnächst „Traumschiff“) oder Arne Feldhusen (Stromberg) stehen da allerdings schon auf einem ganz anderen Blatt… kapier ich nicht, ist mir zu hoch, die bräuchten das Geld nicht & hätten´s auch sonst in keiner Weise nötig: links & rechts eins hinter ihre komischen Querdenker-Löffel dafür. Dann ohne Abendessen ab ins Bett & morgen - noch vor dem Frühstück - als erstes einen mindestens 30seitigen Besinnungsaufsatz zum Thema „Status, Verantwortung & Wertedebatte“.

Ansonsten: sind Sie zufällig Ein-Euro-Jobber, Müllmann oder Kassiererin bei Aldi? Fällt Ihnen die Decke auf den Kopf? Machen Sie sich nichts draus: Ihre Existenz ist jedenfalls um ein 100faches sinnvoller als die von chronisch voll- & saukrass überbezahlten Paddelköppen in den Werbeetagen der Sony, des Mediamarktes oder Kempertrautmann (wie z.B. deren Chefberater Boris Malvinski). Und sich vorzustellen, wie diese jungdebilen Knallchargen sich gegenseitig zu der Kampagne beglückwünschen bzw. sich selbst als diejenigen abfeiern, die - à la Werbung ist Kunst (Schirner) - den König von Deutschland letztendlich seiner effektivsten & gültigsten Präsentationsform zugeführt haben, bringt mich geradewegs auf ein Zitat vom guten alten Lou Reed, das mir eh schon seit ein paar Minuten im Kopf herumspukt. Ich übergebe:

„STICK A FORK IN THEIR ASS
AND TURN THEM OVER,
THEY´RE DONE.“*

Danke.

*(New York: Last Great American Whale)

Saubillich…

December 18th, 2006 - 9 Kommentare

Kleiner vorweihnachtlicher Scherz am Rande des Wunschzettels für den Grabbeltisch: welche supercleveren Werbestrategen auch immer auf die glorreiche Idee gekommen sind, ausgerechnet den nicht mehr befragbaren Rio Reiser für ihre geizgeile Mediamarkt-Scheisse zu verbraten: irgendein durchgeknallter Dschihadist mit Sehnsucht nach 72 Jungfrauen möge einen Wimpernschlag vor Erfüllung seiner apokalyptischen Träume nicht weiter als ein paar Schritte von ihnen entfernt sein.

Und für den Rest des ihnen servil zuarbeitenden Umfeldes aus windelweich gepamperten Nulllösungs-Creativlingen, schmierlappigen Schweinepriestern & auch sonst in so gut wie jeder Beziehung prekär sinnlosen Existenzen, die alle „kein Problem damit“ hatten: schwere seelische Krisen, Depressionen, Psychosen! Und falls zu doof dafür (wovon vermutlich auszugehen ist):

schlechtes Koks, burn out syndrome, chronische Stressmigräne, Herzrasen, Bluthochdruck, Trinitus, ADS, weisse Mäuse, Demenz, Arschkrebs, Einbrecher, Dieter Bohlen, Klaustrophobie, Agoraphobie, überhaupt Phobien, Panflöten, Midlifecrisis, Steuerprüfungen, Unterhaltsklagen, Hämorriden, verzogene Blagen, Alzheimer. Das alles jedenfalls & noch viel mehr. Hehe.